Gemeinsame Erklärung Havelländer Pendler: Für Erhalt und Ausbau des Regionalbahn- Angebots – gegen die S-Bahn-Täuschung!

Angesichts der Verschlechterungen im Bahnverkehr zwischen den Städten und Gemeinden des Osthavellandes und Berlin wenden wir uns mit einer gemeinsamen Erklärung der Bahnpendler an die Entscheidungsträger und an die Öffentlichkeit.

Unser Ziel sind schnelle, mindestens halbstündige Bahnverbindungen von Nauen, Brieselang, Finkenkrug, Seegefeld und Albrechtshof über Spandau ins Berliner Stadtzentrum. Dieses Ziel sehen wir gefährdet durch die S-Bahn-Pläne einiger Politiker, deren Bau massive Einschränkungen im Bahnangebot nach sich ziehen und besonders Fahrzeiten erheblich verlängern würde. Aktuell wenden wir uns auch gegen die bereits mit dem neuen Fahrplan wirksamen erheblichen Nachteile für die Bahnfahrer der Region.

Die Befürworter einer S-Bahn behaupten, diese sei billig, weil die Strecke vom Bund bezahlt würde und eine gute Ergänzung zu einem unsicher werdenden Bahnangebot. Was gern verschwiegen wird: Nicht nur die Finanzierung des Streckenbaus ist unsicher (die von Landrat Burkhard Schröder genannte Summe von 30 Millionen Euro halten wir für völlig unrealistisch), die Kosten für den Betrieb würde das Land tragen müssen. Da Parallelverkehre aber in Zeiten knapper Kassen kaum bezahlbar wären, liegen die Folgen auf der Hand: Eine S-Bahn würde nicht Bahnverbindungen ergänzen, sondern deren Erhalt und Ausbau verhindern.

Land, Bahn und VBB machen keinen Hehl daraus, dass nach Inbetriebnahme einer S-Bahn zwischen Falkensee und Berlin auf dieser Strecke kein nennenswerter Regionalbahnverkehr mehr stattfinden würde. Allenfalls stündliche RE-Züge mit Halt nur in Nauen und Falkensee wären dann wohl noch realistisch. Brieselang, Finkenkrug, Albrechtshof und Seegefeld wären damit abgehängt. Selbst wenn noch Züge zwischen Nauen und Falkensee pendeln sollten, wäre dies zeitlich nicht mehr attraktiv. Die Fahrzeit von Brieselang nach Berlin Friedrichstraße würde sich beispielsweise von derzeit 31 bis 32 Minuten auf 57 bis 67 Minuten verlängern; das zusätzliche Umsteigen in Falkensee in die S-Bahn macht das Ganze völlig absurd. Die Fahrzeit von Falkensee nach Bahnhof Zoo würde sich wegen der langsamen S-Bahn von 18 bis 20 Minuten auf mehr als 40 Minuten verdoppeln. Es ist klar, dass dann viele aufs Auto oder – soweit möglich - auf die wenigen verbleibenden RE-Züge ausweichen würden.

Ein gutes Regionalbahn-Angebot lässt sich dagegen ohne Millioneninvestitionen in neue Strecken und ohne hohe zusätzliche Betriebskosten realisieren. Unserer Forderung: Die vorhandenen Züge müssen an allen Bahnhöfen halten. Damit lässt sich ein guter Halbstundentakt mit einfachen Mitteln herstellen. Zusätzliche Verstärkerzüge vor allem im Berufsverkehr ergänzen das Angebot. Das Ergebnis sind schnelle attraktive Verbindungen für die Pendler im Osthavelland.

So ließen sich auch die aktuellen Fahrplanprobleme lösen, die gerade durch den Wegfall bisheriger RE-Halte (in Finkenkrug und Brieselang) entstehen sowie dadurch, dass viele Regionalzüge (RB 10 und RE 6) künftig in Spandau enden sollen. (Für die RB 10 gibt es dort nicht einmal einen Anschluss Richtung Berlin). Von uns vorgeschlagene Verbesserungen werden bisher jedoch wegen „fahrplantechnischer Probleme“ von Land und Bahn abgelehnt. Wir glauben aber, dass es fahrplantechnisch möglich ist, mehr Züge an mehr Bahnhöfen halten zu lassen. Es kann gerade in Zeiten knapper Kassen doch nicht sein, dass halbleere Züge an (noch) vollen Bahnsteigen vorbeifahren – zum Nachteil tausender Pendler.

Der Bürgerverein Finkenkrug, der Offene Arbeitskreis Bahn und Nahverkehr in Brieselang, die Bürgerinitiative „Brieselang nicht abhängen“, die Verkehrsinitiative Spandau und viele weitere Bahnpendler aus ganz Falkensee, Spandau, Nauen und Brieselang fordern daher – auch mit Blick auf die stetig wachsenden Einwohnerzahlen in der Region:

Die S-Bahn-Pläne hingegen gehören ganz schnell in den Papierkorb.

Falkensee/Finkenkrug/Brieselang/Spandau, den 25. Mai 2006
Ralf Kothe, Offener Arbeitskreis Bahn und Nahverkehr, Brieselang
Klaus Werth, Unabhängige Wählervereinigung Bürger Für Brieselang, Bürgerinitiative „Brieselang nicht abhängen“
Jürgen Czarnetzki, Bürgerinitiative Spandauer Verkehrsbelange 73
Benno König, Bürgerverein Finkenkrug, Arbeitskreis Bahn
Detlef Hardorp, Falkensee-Falkenhain, Mitglied Fahrgastbeirat DB Regio
Stefan Lofing, Bahnpendler aus Falkensee-Seegefeld

verantwortlich:
Benno König, Bachstelzenstr. 21, 14612 Falkensee, 03322/238989, benno-koenig@arcor.de
Klaus Werth, Dahnstr. 1, 14656 Brieselang, 03323/38154, klaus.werth@buerger-fuer-brieselang.de